Im Juli 2026 waren in Mittelhessen rund 34.200 Personen arbeitslos, circa 870 mehr als im Vormonat. Der Arbeitsmarkt bleibt damit weiterhin angespannt und eine Trendwende ist nicht in Sicht.
„Die Bundesregierung sollte dem Vorschlag der Rentenkommission, Minijobs durch schrittweise steigende Abgaben faktisch auslaufen zu lassen, nicht folgen. Damit würde eines der wenigen verbleibenden Instrumente für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt verloren gehen und zugleich zehntausende Arbeitsplätze in Mittelhessen gefährdet. Mehr als 82.000 Menschen in der Region üben einen Minijob im Nebenerwerb aus oder sind als Rentner beziehungsweise Studierende tätig. Viele von ihnen können oder möchten keine Vollzeitbeschäftigung aufnehmen. Die Abschaffung von Minijobs würde daher kaum zusätzliche Vollzeitkräfte für den Arbeitsmarkt erschließen. Stattdessen droht ein Anstieg der Schwarzarbeit, die bundesweit nach Schätzungen bereits im kommenden Jahr um rund 25 Milliarden Euro zunehmen könnte“, sagt Sascha Drechsel, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Mittelhessen (VhU).
Drechsel verweist zudem auf die knapp 26.000 Menschen in Mittelhessen, die ausschließlich geringfügig beschäftigt sind: „Es ist völlig offen, wie viele von ihnen ihre Arbeitszeit tatsächlich ausweiten könnten oder wollen. Auch die rund 2.200 Bezieher von Grundsicherung in Mittelhessen, die derzeit einen Minijob ausüben, rechtfertigen keine Abschaffung dieser Beschäftigungsform. Vielmehr braucht es bessere Hinzuverdienstregelungen, die den Übergang in eine vollzeitnahe Beschäftigung fördern und Anreize setzen, über Kleinstjobs hinaus tätig zu werden. Grundsätzlich führt der richtige Weg nicht über immer höhere Belastungen der Arbeit durch zusätzliche Abgaben. Notwendig sind vielmehr ausgabensenkende Strukturreformen, um die Sozialversicherungsbeiträge wieder unter die Marke von 40 Prozent zu senken. Mehr Netto vom Brutto macht Arbeit attraktiver und stärkt die Beschäftigungsperspektiven“, so der VhU-Geschäftsführer.