Stellenabbau in der mittelhessischen Industrie schwächt gesamten Arbeitsmarkt
Im Mai 2026 waren in Mittelhessen 33.300 Personen arbeitslos, rund 85 mehr als im Vormonat. Der Arbeitsmarkt bleibt damit weiterhin angespannt und eine Trendwende ist nicht in Sicht.
„Unser Industriestandort muss auf Landes- und Bundesebene dringend gestärkt werden, denn seit 2019 sind allein in Mittelhessen mehr als 10.000 Industriearbeitsplätze abgebaut worden. Damit gerät das Fundament unseres Wohlstands zunehmend ins Wanken, denn jeder Industriearbeitsplatz sichert zahlreiche weitere Stellen in Dienstleistungen, Handwerk und Handel. Deshalb sind die hessische Landesregierung und die Kommunen gefordert, die Rahmenbedingungen gezielt zu verbessern – etwa durch beschleunigte Genehmigungsverfahren, zusätzliche Flächen für Ansiedlungen und Erweiterungen sowie einen zügigen Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig gilt es, die Potenziale der Verteidigungswirtschaft für den Standort Mittelhessen konsequent zu nutzen, um der fortschreitenden Deindustrialisierung entgegenzuwirken“, erklärte Sascha Drechsel, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Mittelhessen (VhU).
„Die Landesregierung setzt mit Maßnahmen wie den Entbürokratisierungsgesetzen zwar richtige Impulse, insgesamt reichen diese Schritte jedoch nicht aus. Auch auf Bundes- und EU-Ebene müssen die politischen Entscheidungen klar auf wirtschaftliches Wachstum ausgerichtet werden. Wir brauchen dringend umfassende Sozialreformen zur Senkung der Arbeitskosten, mehr Flexibilität im Arbeitszeitrecht, wettbewerbsfähige Energiepreise sowie ein deutlich konsequenterer Bürokratieabbau. Nur unter diesen Voraussetzungen werden Anreize für Investitionen geschaffen und Industriearbeitsplätze nachhaltig gesichert und aufgebaut.“
Die Auswirkungen des industriellen Stellenabbaus zeigen sich auch in den einzelnen Kreisen deutlich: Während der Lahn-Dill-Kreis mit einem Rückgang von 11 Prozent und der Vogelsbergkreis mit minus 17 Prozent besonders stark betroffen sind, verzeichnen der Landkreis Gießen und Marburg-Biedenkopf jeweils Rückgänge von 4 Prozent. Der Wetteraukreis ist mit einem Minus von 19 Prozent hessenweit am stärksten belastet. Eine positive Entwicklung zeigt dagegen der Landkreis Limburg-Weilburg, der sich mit einem leichten Zuwachs von 1 Prozent gegen den Trend behauptet und damit zu den wenigen Ausnahmen zählt.