Im Mai 2026 waren in Mittelhessen rund 33.200 Personen arbeitslos, also gut 730 weniger als im Vormonat. Darunter waren rund 12.000 Langzeitarbeitslose – ein Anstieg von fast 39 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.
„Die Jobcenter in Mittelhessen leisten bereits viel, um Menschen in Arbeit zu bringen. Mit der neuen Grundsicherung ab dem 1. Juli ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten, die jetzt konsequent genutzt werden sollten“, sagte Sascha Drechsel, Geschäftsführer der mittelhessischen Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU). „Die aktuell rund 12.000 Langzeitarbeitslosen zeigen, dass bei der Aktivierung noch Potenzial besteht. Dazu zählen unter anderem persönliche Einladungen und Kontakte, die weiter gestärkt werden können. Gleichzeitig bieten auch die in der Region immer noch vorhandenen offenen Helferstellen konkrete Einstiegschancen. Wenn eine direkte Vermittlung dennoch nicht gelingt, sollten Arbeitslose verstärkt die bestehenden Unterstützungsangebote nutzen – von Qualifizierungen bis hin zu Förderinstrumenten wie dem Eingliederungszuschuss.“
„Der deutliche Anstieg von Langzeitarbeitslosen seit 2019 ist jedoch nicht allein arbeitsmarktpolitisch zu erklären. Er steht auch im Zusammenhang mit der aktuell anhaltenden Konjunkturschwäche“, so Drechsel weiter. „Umso wichtiger ist es, dass die politischen Rahmenbedingungen verbessert werden: niedrigere Arbeitskosten durch effiziente Sozialreformen, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten, wettbewerbsfähige Energiepreise und ein Abbau von Bürokratie. Auch auf kommunaler Ebene kann Mittelhessen durch schnellere Genehmigungsverfahren dazu beitragen, Investitionen und Beschäftigung anzukurbeln.“
Ein Blick auf die Entwicklung in Mittelhessen zeigt deutliche regionale Unterschiede: Während der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit im Vogelsbergkreis (+26 %), im Landkreis Gießen (+28 %) und im Wetteraukreis (+31 %) vergleichsweise moderat ausfällt, ist er im Lahn-Dill-Kreis (+49 %) und in Limburg-Weilburg (+60 %) deutlich stärker. „Die Zahlen verdeutlichen, wie unterschiedlich sich die wirtschaftliche Entwicklung in den Regionen auf den Arbeitsmarkt auswirkt“, betonte Drechsel. „Gerade dort, wo die Langzeitarbeitslosigkeit stärker zunimmt, kommt es darauf an, arbeitsmarktpolitische Instrumente und wirtschaftliche Impulse eng aufeinander abzustimmen, um wieder mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.“